Nationalparkverwaltung
Berchtesgaden

Architektur

Moderne Architektur – Zeichen für Aufbruch ins 21. Jh.

Ansicht von Norden



Bauherr ist der Freistaat Bayern, konkret das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit in München. Der Architektur-Entwurf stammt vom Staatlichen Bauamt Traunstein, mit der die Ausführungsplanung wurde das Architekturbüro Leitenbacher, Spiegelberger in Traunstein beauftragt.

Hauptattraktion des Haus der Berge ist die Bergvitrine – eine markante Hülle aus Glas und Corten-Stahl, die sich schützend über den Berg im Inneren des Infozentrums legt. Bei der Fassadengestaltung kamen vor allem regionale, natürliche Materialien zum Einsatz, die natürliche Verwitterung des Materials spiegelt auch hier den Grundgedanken „Natur Natur sein lassen“ wider. Auf der Südseite befinden sich Mauern aus Naturstein (Gabionen) und auf der Nordseite wird mit Schnittbalken heimischer Baumarten gearbeitet. Anforderungen an das Gebäude, wie ein nachhaltiges Energiekonzept, Barrierefreiheit und kurze Wege wurden durch die Architektur verwirklicht.

Die Architektur des „Haus der Berge“ entspricht nicht nur dem Zeitgeist moderner Informationszentren im Alpenraum, sondern ist zudem eng verzahnt mit der Ausstellungsgestaltung. Die Bergvitrine als Hauptattraktion der Ausstellung gibt eine wichtige gestalterische Linie für die Architektur des Hauptgebäudes vor. Sie kann erst durch eine zurückhaltende Bauweise, die sich auf das Wesentliche reduziert („Hülle“), ihre Wirkung entfalten. Hinzu kommen weitere Anforderungen an das Gebäude, die die Architektur bedingen:

  • nachhaltiges Energiekonzept
  • Barrierefreiheit
  • Prinzip der kurzen Wege
  • grundsätzliche Vorgaben wie Raum- und Kostenplan oder Topographie des Geländes

Fassadenskizzen:

Staatliches Bauamt Traunstein
leitenbacher-spiegelberger-architekten BDA

Fotos:

NPV Berchtesgaden

Bergskulptur – der „Schatz“ in der Großvitrine

Die Bergskulptur bildet den emotionalen und inhaltlichen Höhepunkt der Ausstellung. Das Hochgebirge ist ein sehr empfindliches Ökosystem und benötigt in weiten Teilen den Schutz des Menschen vor und für den Menschen. Daher ist die Vitrine über der Bergskulptur ein Symbol für eine schützende Hülle um die Bergwelt mit all ihren Lebensräumen. In den Berchtesgadener Alpen ist es Aufgabe des Nationalparks diesen „Schatz der Alpen“ für die nächsten Generationen zu bewahren.

Fassadengestaltung – lebendiges Außen

Das „Haus der Berge“ steht für innovatives Design in Verbindung mit regionalen Besonderheiten. Großes Augenmerk legen die Gestalter auf die Fassaden: Hier werden – wie auch bei den konstruktiven Teilen der Gebäude – regionale, natürliche Materialien verwendet. Dabei wird Holz in seinen unterschiedlichen Beschaffenheiten, zum Teil auch mit Borke, die zentrale Rolle spielen. Auch die farblich unterschiedliche Verwitterung der Fassade ist von Bedeutung – so wird die Botschaft des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“ nach Außen transportiert.

Holzverkleidung

Das Foyer im Informationszentrum wird von Schnittbalken heimischer Baumarten gebildet, welche senkrecht und in variablen Abständen und einer „zufälligen“ Anordnung um den Gebäudekubus angeordnet werden. Durch das Hauptgebäude zieht sich als konstruktive Einheit ein horizontal ausgerichteter Balkenstapel, der im Innern des Gebäudes gleichzeitig eine wichtige akustische Dämmfunktion übernimmt.

Natursteinmauer

Auf der Südseite des Gebäudes werden Natursteinmauern das Gestaltungsmerkmal sein. Hierzu werden Gabionen-Wände im vorderen Bereich „per Hand gelegt“, so dass Spalten, Kleinsthöhlen und Nischen entstehen, die von Pflanzen und Tieren besiedelt werden können. Die Ost- und Westfassaden der „Bergvitrine“ werden mit einem bräunlichen Blech gefasst, um im Zusammenspiel mit den beiden Glasfassaden der Süd- und Nordseite das Symbol einer „Schutzhülle“ zu unterstützen.

Fassade Nordseite (Eingang)

Fassade Südseite (Zutritt Außengelände)

Dachkonstruktion – freier Blick zum Watzmann

Auch wenn es wie ein Flachdach aussieht – bei den Dachkonstruktionen im Hauptgebäude handelt es sich um flach geneigte Satteldächer (bis zu 7° Neigung). Schon diese leichte Neigung bewirkt ein geregeltes Abfließen des Regenwassers, welches zur Bewässerung des Außengeländes in Zisternen gesammelt wird. Viele der Dächer werden als Terrassen begehbar und weitestgehend mit Pflanzen und natürlichen Materialien (Wimbachgries) gestaltet sein. So dienen sie auch als „Klimapuffer“. Zudem lässt diese Art der Dachkonstruktion den Blick von Norden nach Süden frei – so ist immer der Watzmann in Sichtweite.

Bauökologie – nachhaltig bauen

Ein regionales Vorzeigeprojekt: Der Nationalpark verfolgt mit dem Bau des „Haus der Berge“ einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz und möchte damit als Vorbild für nachhaltiges Bauen im Alpenraum unter Berücksichtigung der klimatischen Besonderheiten dienen.

Durch die Verwendung von Holzbaukonstruktionen und den Verzicht auf Ausbaumaterial wird der ökologische Aufwand zur Erstellung der Gebäude verringert. Darüber hinaus basiert die Energieversorgung auf einer CO2-neutralen Gesamtlösung. Die praktische Umsetzung wird nach den modernsten Maßstäben für nachhaltiges Bauen verwirklicht:

  • Minimierung des Energiebedarfs durch Passivhauskomponenten und hochwertige Wärmeschutzmaßnahmen
  • Energietechnik: Wärmebedarf durch Solar- und Biomasseenergie gedeckt, Fotovoltaik für regenerative Stromerzeugung, Berücksichtigung klimatischer Besonderheiten (Speicherung der Nachtkühle; Auffangen von Regenwasser zur Kühlung der Gebäude an heißen Tagen; Eindämmung von Lüftungswärme durch Wärmerückgewinnungsanlagen)
  • Wasser: Verwendung von Grauwasser für Toilettenspülung; naturnaher Wasserkreislauf im Erlebnisgelände (keine chemischen Zusätze, keine Pumpe, freie Versickerung, Dachwasser speist Wasserspielbereiche)
  • Optimierung der Tageslichtausnutzung, bedarfsgerechte Lüftung


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