Forschungsbericht 44
Aufnahme von Vegetationsmustern auf Landschaftsebene
Sebastian Schmidtlein
2000
137 Seiten
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Aufnahme von Vegetationsmustern auf Landschaftsebene von Sebastian Schmidtlein
- 1 Einleitung 5
- 2 Vorgaben und Ziele der Arbeit 5
- 3 Vegetationskomplexe 6
- 4 Erkennen und Erforschen von Vegetationskomplexen 8
- 4.1 Grundzüge bisheriger synsoziologischer Arbeitsweisen und
methodische Schwierigkeiten 8 - 4.1.1 Sigmaaufnahmen 9 4.1.2 "Klassifikation, Ordination 11
- 4.1.3 Übertragung in den Raum 12
- 4.1.4 Sigmetaunddaraufaufbauende Konzepte 13
- 4.1.5 Die Analysen von Bequin, Hegg und Zoller 13
- 4.2 Anwendung der Vegetationskomplexforschung 14
- 4.1 Grundzüge bisheriger synsoziologischer Arbeitsweisen und
- 5 Methoden der Synsoziologischen Rasteraufnahme 14
- 5.1 Betrachtungsmaßstab 15
- 5.2 Sigmaaufnahmeflächen 15
- 5.2.1 Anordnung und Form 15
- 5.2.2 Größe und Anzahl 16
- 5.2.3 Sigmaaufnahmeflächen im Beispiel 16
- 5.2.4 Das Problem der variablen Flächeneinheiten 16
- 5.2.5 Lokalisierung 17
- 5.3 Aufnahmen 17
- 5.4 Ordination und Klassifikation der Sigmaaufnahmen 19
- 5.4.1 Ordination 19
- 5.4.2 Klassifikation 21
- 5.5 Komplementäranalyse 23
- 5.6 Stetigkeit und Komplexbindung der Gesellschaften 23
- 5.7 KartendarsteIlung und Datenverarbeitung in einem
Geographischen Informationssystem 24
- 6 Ökologische Interpretation 24
- 7 Untersuchungsgebiet 24
- 7.1 Geologische Übersicht 25
- 7.2 Klima 26
- 7.3 Relief 27
- 7.4 Böden 29
- 7.5 Vegetationsgeschichte 30
- 7.6 Nutzung 30
- 7.7 Pflanzensoziologische Vorarbeiten 32
- 8 Ergebnisse 32
- 8.1 Die Pflanzengesellschaften des Untersuchungsgebietes 32
- 8.1.1 Überblick und Erläuterungen 32
- 8.1.2 Felsspalten-Gesellschaften 34
- 8.1.3 Steinsch utt-Gesellschaften 36
- 8.1.4 Langlebige Gesellschaften gestörter, nährstoffreicher Orte 40
- 8.1.5 Flutrasen 42
- 8.1.6 Trittrasen 43
- 8.1.7 Röhrichte und Großseggensümpfe 44
- 8.1.8 Quellfluren 44
- 8.1.9 Flach-und Zwischenmoore 45
- 8.1.10 Kulturgrasland und verwandte Vegetationstypen 46
- 8.1.11 Alpische Kalkmagerrasen 48
- 8.1.12 Nacktried-Gesellschaft 52
- 8.1.1.3 Schneeboden-Gesellschaften karbonatarmer Standorte 52
- 8.1.14 Borstg ras-und Heide-Gesellschaften 54
- 8.1.15 Hochmoor-Torfmoos-Gesellschaften '56
- 8.1.16 Schlag- und Vorwald-Gesellschaften 56
- 8.1.17 Hochmontan-alpine Hochstauden- und Läger-Gesellschaften 57
- 8.1.18 Natürliche Nadelwälder und Zwergstrauch-Gesellschaften 60
- 8.1.19 Buchen-und Bergmischwälder,
die sie ersetzenden Fichtenfazies, verwandte Gebüsche 63 - 8.2 Zwischenergebnisse der Komplexableitung 72
- 8.2.1 Einbettungsmuster der Pflanzengesellschaften 72
- 8.2.2 Ersterinterpretierender Vergleich der Verbreitungsmuster 72
- 8.2.3 Ergebnisse der synsoziologischen Ordination 82
- 8.2.4 Ergebnisse der synsoziologischen Klassifikation 86
- 8.2.5 Synsoziologische Komplementäranalyse 89
- 8.3 Die Vegetationskomplexe und ihre ökologische Bedingtheit 89
- 8.3.1 Überblick 92
- 8.3.2 Die Vegetationskomplexe und ihre Ausbildungen 94
- 8.4 Von der Klassifikation unabhängige Auswertungsbeispiele 101
- 8.4.1 Biodiversität 101
- 8.4.2 Verteilung synanthroper Gesellschaften 101
- 8.4.3 Bedeutung von Teilräumen für die Erhaltung gefährdeter Pflanzengesellschaften 102
- 8.5 Diskussion 104
- 9 Zusammenfassung 106
- 10 Danksagung 108
- 11 Literatur 109
- 12 Anhang 115
Wildwachsende Pflanzen wachsen mehr oder weniger regelhaft zusammen. Die so entstehenden, floristisch oder physiognomisch relativ einheitlichen Pflanzenbestände sind wiederum nicht frei miteinander kombiniert, sondern auch sie bilden regelmäßig anzutreffende Nachbarschaftsgruppen. Landschaftsteile mit solch einer typischen, wiederkehrenden Kombination von Pflanzenbeständen nennt man Vegetationskomplexe. Die Komplexe können z.B. eine Alm umfassen oder die montanen Wälder einer Talflanke oder einen See mit seiner Uferzonation. Sie nehmen abgrenzbare Flächen ein, in denen sich ein bestimmtes Muster von Standortbedingungen wiederholt bzw. in denen das landschaftliche Wirkungsgefüge relativ gleichförmig ist.
Als Bausteine der Landschaft sind Vegetationskomplexe für die Geographie wie für die Botanik interessant und erfordern eine fachübergreifende Betrachtung. Schon seit langem untersuchen beide Wissenschaften die räumliche Verteilung der Vegetation, doch erst die Entwicklung der Pflanzensoziologie im 20. Jahrhundert schuf die Grundlagen für eine exaktere, von Artengruppierungen ausgehende Analyse. Die Grenzdisziplin, die sich darauf aufbauend mit den Vegetationskomplexen beschäftigt, nennt man Synsoziologie (oder Sigmasoziologie). Sie hat in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreichende Wurzeln, fand aber erst spät etwas mehr Beachtung. Ihre heute grundlegenden Techniken entwickelten sich ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Die gängigen Methoden der Synsoziologie sind bei Aufnahme und "Tabellenarbeit" stark an die Gedankenwelt der sogenannten "klassischen" zentraleuropäischen Pflanzensoziologie angelehnt. Gleichzeitig fußen sie mit ihrer Suche nach den (unabhängig vom Anwendungsbezug) "besten" räumlichen Einteilungen noch stark in geographischen Vorstellungen der .Naturräurnlichen Gliederung" (SCHMITHÜSEN 1953). Neuere Entwicklungen finden nur sehr zögerliche Aufnahme, etwa die Infragestellung des Zwangs zu "homogenen" Aufnahmeflächen (aufgrund der erweiterten Möglichkeiten zur Verarbeitung großer Datensätze) bzw. das Entstehen neuer statistischer Analysewerkzeuge, die auch die Unschärfen in der natürlichen Ordnung der Dinge berücksichtigen. Wenig Beachtung fand auch, dass sich in der Geographie (durch den Einsatz von Geographischen Informationssystemen) eine größere Flexibilität bei der Integration von Flächeninformation zu Raumeinteilungen ergab. Einige dieser neueren Ansätze erscheinen durchaus geeignet, um Probleme bei der Aufnahme von Vegetationskomplexen auszuräumen und eben hierzu soll die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten.
Vegetationskomplexe sind zwar durchaus "handfeste", unmittelbar sichtbare Erscheinungen, sie erweisen sich aber wegen ihrer komplexen Natur als wissenschaftlich schwer fassbar -schwerer noch, als es schon die Pflanzengesellschaften der "klassischen" zentraleuropäischen Pflanzensoziologie sind. Die zur wissenschaftlichen Ableitung verwendete doppelte Abstraktion (Komplexe als Vergesellschaftungen von Pflanzengesellschaften) macht den von Natur aus komplexen Gegenstand auch nicht einfacher. Ich hoffe, dass es mir gelungenist,trotzdem möglichstverständlich zubleiben.:

