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Bayerisches Staatsministerium für
Umwelt und Gesundheit

Warum wir Althandys sammeln: Hintergrundinformationen

Bayern und Deutschland nehmen bei der Verwertung von Abfällen wie Papier, Glas und Massenmetallen wie Eisen und Kupfer weltweit eine Vorreiterrolle ein. Bei den genannten Abfällen werden Recyclingquoten von 50 bis 90 Prozent erreicht. Andere wichtige Rohstoffe werden hingegegen auch in Deutschland vielfach weggeworfen oder weggelegt. Das gilt ganz besonders für Rohstoffe, die zum Beispiel in modernen Informations- und Kommunikations­geräten verbaut werden. Hier beträgt die Recyclingquote bislang weniger als 1 Prozent. Ein Beispiel für eine niedrige Rücklaufquote sind ausgediente Mobiltelefone, sog. Althandys oder "Schubladenhandys", die als das "Filetstück des Elektroschrotts" gelten.

Eine Ursache für den geringen Rücklauf ist, dass 44 Prozent an ungenutzen Handys meist jahrelang Zuhause grundlos aufbewahrt werden. Das ergab die weltweite Nokia-Studie von 2008. Der Branchenverband BITKOM schätzt die Zahl der Ende 2011 in Deutschland angesammelten Althandys auf 83 Millionen. Das bedeutet, dass statistisch gesehen auf jeden Bundesbürger ein unbenutztes "Schubladenhandy" kommt. In Bayern wären das ca. 13 Millionen Mobiltelefone.

Bislang gelangen deutschlandweit nur 4 Prozent und weltweit nur 3 Prozent der Althandys ins Recycling. Durch moderne Verwertungstechniken ließen sich mehr als 95 Prozent des Goldes, Silbers, Palladiums, Platins, Kupfers, Bleis und Bismuths aus Mobiltelefonen rückgewinnen; dazu Zinn, Nickel, Indium, Antimon, Arsen und Kobalt.

Rohstoffsituation in Deutschland

Das Rohstoffvorkommen in Deutschland und Bayern ist gering; der absolute Verbrauch von Rohstoffen ist jedoch angesichts der Endlichkeit der Rohstoffreserven und -ressourcen sowie der Tragfähigkeit der Ökosysteme zu hoch. Deshalb ist es nicht nur notwendig, den Rohstoffverbrauch zu senken. Rohstoffe müssen verstärkt zurückgewonnen und anstelle von Primärrohstoffen eingesetzt werden.

Rohstoffschatz Mobiltelefon

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass gerade Althandys ein wahrer Rohstoffschatz sind. Handys enthalten viele Edelmetalle und sogar seltene Erden: 

Die in einem einzelnen Mobiltelefon enthaltenen Mengen an Edelmetallen sind zwar gering, in der Summe aber wertvoll. So enthält ein Handy im Durchschnitt ca. 8,75 Gramm Kupfer, 3,81 Gramm Kobalt, 0,25 Gramm Silber, 0,024 Gramm Gold, 0,009 Gramm Palladium im Rohstoffwert von 1-2 Euro.

In den rund 85 Millionen "Schubladenhandys" in Deutschland stecken rund 745 Tonnen Kupfer, 325 Tonnen Kobalt, 22 Tonnen Silber, 2 Tonnen Gold und 700 Kilogramm Palladium im Gesamtwert von rund 136 Millionen Euro.

Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG)

Nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) dürfen Althandys nicht im Hausmüll entsorgt werden. Das Gesetz sieht insbesondere zwei Entsorgungspfade vor:

  1. Öffentlichen Sammelstellen, z. B. Wertstoffhöfe
  2. Freiwillig eingerichtete und betriebene Rücknahmesysteme der Hersteller bzw. Vertreiber von Elektro- und Elektronikgeräten

Beide Rücknahmesysteme sind in der Regel Bringsysteme.

Recycling von Althandys

In Deutschland kommen beim Handyrecycling zwei Technologien zum Einsatz:

  • In Aufbereitungsanlagen werden lediglich Handys geschreddert. Dabei gehen fast 75 Prozent des enthaltenen Goldes verloren.
  • In metallurgischen Prozessen hingegen können Edelmetalle zurückgewonnen werden; bei Gold beträgt die Verwertungsquote sogar 98 Prozent.

De Facto

  • 40 Handys enthalten dieselbe Menge Gold wie eine Tonne Golderz.
  • Ein Goldring aus 750er Gold (10 Gramm) lässt sich aus dem Gold von 400 Althandys herstellen.
  • Würden Handys in Deutschland zu 100 Prozent recycelt, so könnten immerhin 40 Prozent des Gold-Imports der deutschen Schmuckindustrie aus der heimischen Sekundärverwertung gedeckt werden.
  • Der Geldwert der in Althandys verbauten Rohstoffe beträgt in der Regel noch 1-2 Euro.

Die Aktion "Handy clever entsorgen" will Rohstoffe in Mobiltelefonen besser verwerten und stellt deshalb Sammelstellen in Schulen, Behörden oder Ihrem Mitgliedunternehmen im Umweltpakt Bayern bereit. Wir freuen uns, wenn Sie mitmachen!