• © Nationalpark Berchtesgaden
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Chironomiden-Monitoring

Die Hälfte der Tierarten in Quellen sind Chironomiden (Zuckmücken). Aus diesem Grund erarbeitete der Nationalpark die Vorgehensweise für das Monitoring (Langzeitüberwachung) von Quellen in einem eigenen Projekt von 1999–2002 in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Staatssammlung München. Dabei bezog das Projektteam die Aufsammlungen einer Diplomarbeit von 1996 mit ein und arbeitete als geeignete Methode zur langfristigen Umweltbeobachtung Emergenzfallen (Schlupffallen) heraus.

 

Projektleitung:

Annette Lotz

 

Projektdurchführung:

Elisabeth Stur

 

Ausführliche Informationen

Die Untersuchung der Zuckmücken (Chironomidae) ist eingebettet in das langfristig angelegte Projekt zur Quelluntersuchung im Nationalpark Berchtesgaden.

Die Chironomiden entwickeln sich innerhalb ihres Lebenszyklus vom Ei zur Larve (Abb. 1, 2a) über ein kurzes Puppenstadium (Abb. 2c) zum fortpflanzugsfähigen Imago (der "Mücke"). Die Larven und Puppen leben in der Regel im Wasser, es gibt aber auch semiterrestrische bzw. terrestrische Arten. Die "reife" Puppe der wasserlebenden Chironomiden schwimmt zur Wasseroberfläche. Dort kann die Imago die Puppenhaut verlassen und wegfliegen. Die Zuckmücken finden sich in der Regel in Schwärmen zur Paarung zusammen. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier an der Wasseroberfläche ab.

 

Die Mückenfamilie Chironomidae ist sehr artenreich. In Bayern sind über 540 Arten nachgewiesen (Reiss & Reiff 1995). Bei einer Untersuchung der Schapbachquelle (Abb. 4) und des Quellkomplexes von Herrenroint (Abb. 5) im Nationalpark Berchtesgaden stellte Schrankel (1998) fest, daß die Chironomiden mit bis zu 70 % (Individuenanzahl) den Hauptanteil der Insekten in Emergenzfallen (s.u.), die über den untersuchten Quellen aufgestellt wurden, ausmachten.

 

Im Rahmen dieses Projektes wird die Chironomidenfauna der Schapbachquelle (links) und des Herrenroint Quellkomplexes (s.u.) genauer untersucht.

Methodik für langfristige Untersuchungen

Die Imagines wurden 1996 mit Emergenzfallen (Abb. 6) über den Quellen beprobt, die wöchentlich geleert wurden. Emergenzfallen sind pyramidenförmige Netze mit einem Behälter an der Spitze, in dem sich eine Konservierungsflüssigkeit befindet. Die Imagines, die aus der Puppenhaut schlüpfen, fliegen nach oben und werden im Fangbehälter gesammelt .

 

Die Puppenhäute, aber auch volle Puppen und Larven, werden mit Driftnetzen (Abb. 7) beprobt. Die im Wasser treibenden Tiere bzw. deren Exuvien sammeln sich in den Driftnetzen, die mehrere Stunden im Gewässer hängen.

 

Larven werden außerdem aus Moos und Sediment der Quellen unter dem Stereomikroskop lebend aussortiert (Abb. 8) und in getrennten Behältern einzeln aufgezogen. Die Puppen- und die Larvenhaut (Abb. 2b), die nach den jeweiligen Häutungen im Wasser der Zuchtschälchen verbleiben, besitzen die Bestimmungsmerkmale dieser Stadien und können mit dem erwachsenen Tier assoziiert werden. Mit dieser Metamorphose können die einzelnen Stadien sicher zur Art bestimmt werden.

Sammelmethode

Um langfristig eventuelle Änderungen der Chironomidenfauna zu dokumentieren, müssen in mehrjährigen Abständen (5-10 Jahre) die Quellen immer wieder beprobt werden. Ob dafür wieder Emergenzfallen aufgestellt und ausgewertet werden müssen, oder ob es genügt die Chironomidenlarven, die im Zusammenhang mit dem "Projekt zur Quelluntersuchung" gesammelt werden, zu untersuchen, wird im Laufe dieses Projektes ermittelt.

 

Im letzten Projektabschnitt 2001/2002 werden die Chironomidenlarven verschiedener Habitate, die 1996 zeitgleich mit den Emergenzproben gesammelt wurden, bestimmt und mit den Arten der Emergenzfallen verglichen. Inwieweit z.B. die kleinen Chironomidenarten, die in den Benthosproben (=Beprobung der im Wasser lebenden Entwicklungsstadien der Quellfauna) möglicherweise nicht erfasst wurden, soll durch diesen Vergleich ermittelt werden.

Ergebnisse

Aus den beiden Quellkomplexen wurden insgesamt etwa 6300 Zuckmücken-Männchen bearbeitet, die jeweils etwa zur Hälfte aus dem Schapbach- bzw. Herrenroint-Bereich stammten.

 

Aus den beiden Quellkomplexen wurden insgesamt etwa 6300 Zuckmücken-Männchen bearbeitet, die jeweils etwa zur Hälfte aus dem Schapbach- bzw. Herrenroint-Bereich stammten. In den Quellen konnten 1996 und zwischen 1999 bis 2001 insgesamt 68 Arten unterschieden werden. Zwei weitere Arten traten nur im Quellbach auf. Von den 68 Arten der Quellen sind sechs noch unbeschrieben, weitere vier Arten konnten nur auf Gattungsniveau bestimmt werden. In ökologischer Hinsicht lassen sich die restlichen 58 Arten wie folgt charakterisieren: 24 Arten sind krenobiont; vier weitere kommen neben Quellen auch in Fließgewässern vor; fünf sind terrestrisch oder semiterrestrisch; 14 Arten werden als ubiquitär bezeichnet (aus stehenden und fließenden Gewässern bekannt); für 11 Arten fanden sich keine ökologischen Angaben. Die fünfjährige Messreihe der Wassertemperatur lässt hier auf eine Temperaturerhöhung des Wasserkörpers schließen. In den nächsten Jahren müssen aber noch die technischen Geräte auf Fehlerfreiheit überprüft werden, ehe die konkreten Zahlen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.



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