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Nationalpark barrierefrei

Stellen Sie sich vor, Sie sind blind und möchten trotzdem schnell Informationen über den Nationalpark Berchtesgaden im Internet finden. Gar nicht so einfach? Mit dem neuen Internetauftritt ist es ein wenig einfacher geworden - die Barrierefreiheit spielte bei der Neugestaltung eine wichtige Rolle. Laut der „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ (BITV) müssen alle von der öffentlichen Hand finanzierten Internetauftritte barrierefrei gestaltet werden. Das heißt, auch Menschen mit Behinderung sollen sich darin zurechtfinden können.

 

Barrierefreiheit ist aber nicht nur im Internet ein Thema

Barrieren wie hohe Schwellen in Türen, Treppen, schwer lesbare Texte in Ausstellungen etc. können Menschen mit Behinderung den Zugang zu Einrichtungen oder die Teilnahme an Veranstaltungen vor Ort erschweren.

 

Der Nationalpark Berchtesgaden stellt für Menschen mit Behinderung bereits einige Angebote bereit, z.B. barrierefreie Führungen. Zudem sind einige der Wanderwege im Nationalpark auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Dieses Angebot soll in Zukunft noch ausgebaut werden. Dazu diente die Erstellung eines „Modellmanagementplans Barrierefreiheit“. Darin werden die vorhandenen Einrichtungen analysiert und Vorschläge zur zukünftigen Gestaltung gemacht.

 

Im Anschluß an den Modellmanagementplan gründete sich das Bayerische Netzwerk Barrierefreies Naturerleben.

 

Barrierefreie Führungen

Einige unserer geführten Wanderungen aus dem Programm „Natur erleben und entdecken - Programm für Schulen, Kindergärten, Kinder und Jugendliche“ eignen sich vom Gelände her auch für Rollstuhlfahrer. Da Umweltbildung immer alle Sinne anspricht, sind viele der Führungen auch für Menschen mit geistiger Behinderung interessant. Wir bitten Sie, sich das Programm durchzusehen und zu entscheiden, welche Führung am besten für Ihre Gruppe geeignet ist. Wir gehen gerne auf Ihre Anregungen und Bedürfnisse ein. Auf Anfrage bieten wir auch Exkursionen in Gebärdensprache an.

 

Barrierefreies Wanderprogramm

Aufgrund unseres schwer zugänglichen Geländes im Nationalpark können nur einige unserer Angebote für Gäste im Rollstuhl gestaltet werden - diese sind mit dem Rollstuhl-Symbol gekennzeichnet:

 

Da auch diese Angebote nicht für jeden gleich leicht zu bewältigen sind, möchten wir Sie bitten, vor der Teilnahme an einer so gekennzeichneten Führung mit dem Nationalpark-Zentrum Haus der Berge unter Telefon: +49 8652 979060-0 Rücksprache zu halten.

 

Falls Sie sich mit dem Gehen schwer tun, können Sie bei den ortsansässigen Sanitätshäusern Elektro Scooter, Rollatoren oder Rollstühle mieten.

 

Projekt "Modellmanagementplan Barrierefreiheit"

10 Fragen und Antworten

Das Motto des Berchtesgadener Parks lautet „Ein Nationalpark für Alle“. Damit ist gemeint, dass der Park der Allgemeinheit zur Erholung dienen soll. Doch die Belange behinderter Gäste wurden bislang wenig berücksichtigt. Dies soll anders werden, damit der Park bald wirklich „für alle“ zugänglich ist.

 

1. Was wird in diesem Projekt denn genau gemacht? Soll jetzt etwa der Watzmann für Rollstuhlfahrer eingeebnet werden?

 

Natürlich nicht! Das Projekt, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Bayerischen Umweltministerium gefördert wurde, dauerte ein Jahr. Bis zum Sommer 2006 wurde ein Plan mit konkreten Maßnahmen, versehen mit Zeithorizonten und Kostenschätzungen erarbeitet. Solche Maßnahmen können beispielsweise ein Naturerlebnispfad mit Audioführung im Klausbachtal sein, eine Führung durch die Nationalparkausstellung in Gebärdensprache oder die barrierefreie Gestaltung des geplanten „Hauses der Berge“. Es wurde also nicht konkret etwas „gebaut“, sondern es wurden die „Blaupausen“ für Folgemaßnahmen erarbeitet.

 

 

2. Es gibt doch schon einen Nationalpark-Plan. Wieso braucht man dann noch einen Modell-Management-Plan?

 

Der gültige Nationalpark-Plan wurde im Jahr 2001 verabschiedet und hat eine Laufzeit von 10 Jahren. Darin wurden aber die Belange behinderter Erholungssuchender nicht im Speziellen berücksichtigt. Deshalb ist ein Management-Plan zur Barrierefreiheit, der als „Querschnittsaufgabe“ in den laufenden Plan eingearbeitet werden soll, wichtig. Ein „Modell“ soll dieser Plan sein, da solche Barrierefrei-Pläne noch in keinem anderen deutschen Nationalpark existieren. Berchtesgaden kann so Vorreiter sein.

 

 

3. So ein Projekt kostet doch eine Menge Geld. Könnte man das nicht besser für etwas anderes ausgeben?

 

Wenn über diesen Plan langfristig mehr behinderte Gäste und ihre Angehörigen den Raum Berchtesgaden besuchen, dann ist die Finanzierung eines solchen Projektes eine Investition in die Zukunft. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hat im Jahr 2003 festgestellt, dass durch barrierefreien Tourismus in Deutschland insgesamt bis zu fünf Milliarden Euro/Jahr zusätzlicher Umsatz möglich ist und 90.000 Vollzeitstellen geschaffen werden können.

 

 

4. Wie ist die Situation für behinderte Gäste des Nationalparks?

 

Die Bedürfnisse behinderter Gäste werden bislang nicht systematisch berücksichtigt. Wenn es Nutzungen für rollstuhlfahrende, blinde, schwerhörige, gehörlose Gäste oder für Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt, so ist dies eher zufällig entstanden bzw. wurden zum „Jahr der Behinderten“ 2005 gezieltere Angebote entwickelt. Natürlich bemühen sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch diesen Gästen gerecht zu werden, aber das Angebot ist noch zu klein.

 

 

5. Ist das nicht ein bisschen verrückt, ausgerechnet einen Hochgebirgspark für Barrierefreiheit auszuwählen?

 

Das könnte man in der Tat im ersten Moment denken, wenn man nur an Gäste im Rollstuhl denkt und sich den Aufstieg zum Watzmannhaus vorstellt. Doch das Projekt will auch unter Beweis stellen, dass "Barrierefreiheit" nicht in erster Linie eine Frage der Topographie ist, sondern der inneren Einstellung. Wenn man darüber hinaus weiß, dass rollstuhlnutzende Menschen eine zahlenmäßig eher kleine Gruppe behinderter Menschen darstellen, so wird deutlich, dass die Steigung im Gelände nicht der ausschlaggebende Faktor ist. Gäste mit Seh-, Hör- und Lernschwierigkeiten oder mit inneren Erkrankungen sollen genauso berücksichtigt werden.

 

 

6. Wie vertragen sich „Naturschutz“ und „Barrierefreiheit“ überhaupt miteinander?

 

Diese beiden Bereiche können sich wunderbar ergänzen, wenn man etwa an Fragen der Besucherlenkung denkt. Barrierefrei gestaltete Wege laden alle zur Nutzung ein und können Besucherströme auf die geplanten Bereiche konzentrieren und von Bereichen mit sensibler Vegetation fortführen. Barrierefrei gestaltete Informationszentren sind attraktiv für alle und können bei guter Standortwahl andere Gebiete entlasten.

 

 

7. Woher kommt eigentlich der Begriff „barrierefrei“?

 

Die Anfänge der Barrierefreiheit entstammen den 50er Jahren der USA: Dort hieß es „Barrier-free-Movement“. Es waren die behinderten Kriegsveteranen und Behindertenorganisationen, die auf die physischen Barrieren in der bebauten Umwelt hinwiesen. Mit Demonstrationen und Aktionen forderten sie Chancengleichheit in den Bereichen Ausbildung, öffentlich zugängliche Einrichtungen, Verkehr und Telekommunikation. Sie wiesen bereits damals darauf hin, dass eine derart gestaltete Umwelt Vorteile für alle Menschen hat.

 

 

8. Wo ist „barrierefrei“ in Deutschland in Normen und Gesetzen aufgeschrieben?

 

Dieser „barrierefrei-Ansatz“ fand in Deutschland Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre Resonanz und zwar in den DIN-Normen 18024 und 18025, die sich mit dem Bauen für behinderte Menschen beschäftigten. Seit dem Jahr 2002 gibt es auf Bundesebene ein Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen, seit Mitte 2003 auch ein entsprechendes Landesgesetz für Bayern. In diesen Gesetzen wird der Begriff „barrierefrei“ exakt definiert.

 

 

9. Was bedeutet „barrierefrei“ in der Praxis?

 

In der Praxis bedeutet die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden, Einrichtungen und Dienstleistungen einen Perspektivenwechsel im Umgang mit behinderten Menschen. Sie werden nicht länger als „Objekte der Betreuung“ angesehen, sondern wandeln sich zu Bürgerinnen und Bürgen mit dem gleichen Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft. Barrierefreies Gestalten ist der Schlüssel zu diesem Perspektivenwechsel.

 

 

10. Wer profitiert von einer „barrierefrei-Planung“?

 

Das Beste an einer barrierefreien Gestaltung ist, dass sie nicht nur behinderten Menschen dient, sondern auch Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit schwerem Gepäck, alten Menschen. In der bereits erwähnten Studie des Bundeswirtschaftsministeriums heißt es deshalb auch: „Eine barrierefrei zugängliche Umwelt ist für rund 10 Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30-40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel!“

 

 

 

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Projektbeschreibung

Weitere Informationen zur Barrierefreiheit



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