Nationalpark
Berchtesgaden

Die Vegetation am Funtensee

im Nationalpark Berchtesgaden

Der Funtensee liegt auf ca. 1600 m NN. Nach KONNERT (2004:15) reicht die Vegetationsperiode in dieser Höhe von Anfang Mai bis Mitte Oktober (für eine Schwellentemperatur von 5° C) bzw. von Anfang Juli bis Ende August (für eine Schwellentemperatur von 10° C).

Die Pflanzengesellschaften im näheren Umfeld des Funtensees sind menschlich stark überprägt. Die Funtenseealm wurde mindestens 350 Jahre lang im Hochsommer von Berchtesgaden/Schönau aus beweidet, letztmals im Jahr 1964. Im Waldvisitationsprotokoll wurde über den schlechten, überalterten Zustand des Funtensee-Schwarzwaldes geklagt. Von den 282 ha Gesamtweide waren nur 82 ha als Lichtweide, der Rest als Waldweide ausgewiesen. Hier weideten Großvieh, Kälber, Schafe und Ziegen (FREIBERG 1985).

Manchmal wird vermutet, dass die extremen Temperaturen an dem „Fehlen von Pflanzenwuchs um den See“ schuld seien. Damit ist wahrscheinlich das Fehlen von Baumarten gemeint. Im folgenden werden Untersuchungen beschrieben, die diese These widerlegen und drei Vegetationsringe um den See beschreiben (vgl. FREIBERG 1985, Abb. 7).

Funtensee Die baumfreie Vegetation um den Funtensee wurde durch Beweidung geschaffen. Der Funtensee liegt auf 1601 m NN. Der Abflusspass der Kaltluft nach Nordwesten Richtung Ofenloch und Saugasse liegt auf 1676 m NN.

Vegetationsringe um den Funtensee

1. Ring

Direkt um den See liegen Naßwiesen und quellige Standorte mit einer geschlossenen Vegetationsdecke.

2. Ring

Hier kommen Gesellschaften mit Rostsegge und Rasenschmiele (Deschampsia caespitosa) vor, die sich auf aufgelassenen Almflächen bilden.

Im gleichen Gürtel liegen Hochstaudenfluren mit Alpenampfer (Rumex alpinus). Sie sind durch die Anreicherung von Dungstoffen durch das Vieh entstanden und deshalb in der Nähe ehemals bewirtschafteter Almhütten verbreitet.

In diesem zweiten Verbreitungsring liegen auch die Flächen mit alpiner Milchkrautweide (Poo-Prunelletum), die häufig auf stark beweideten, teilweise gedüngten, ebenen bis schwach geneigten Standorten auftreten.

Rezent werden die Flächen durch Schafweide vom Steinernen Meer her genutzt (vgl. Nationalparkplan 2001 Karte 28: Landwirtschaftliche Nutzung).

3. Ring

In den steileren Lagen kommen Wald- und Strauchgesellschaften mit Lärche, Zirbe, Fichte, Alpenrose, Grünerle und Straucharten vor.

Die tatsächlich vorhandenen baumfreine Pflanzenbestände um den Funtensee sind damit wahrscheinlich auf menschliche Aktivitäten und nicht auf die nur episodisch auftretenden tiefen Temperaturen zurückzuführen.

Die klimatisch bedingte Vegetationsinversion wird zudem durch die Frostresistenz der Baumarten wiederlegt. Nach SCHULZE et al. (2002:103) weist die Fichte eine winterliche Frosttoleranz von mindestens – 70° C auf.

Die Aussage aber: „mit jedem Meter in Richtung des Sees herunter werden die Bäume kleiner, schließlich sind nur noch Sträucher vorhanden und in den letzten 20, 30 Metern über dem See haben sie praktisch gar keine Vegetation mehr“, ist schlichtweg falsch.

Hinweis

Die „inverse Vertikalverteilung der Vegetationsstufen“ wurde 1940 von LAUTENSACH-LÖFFLER (zitiert in BLÜTHGEN & WEISCHET 1980:623) für das Pfälzer Gebrüch in der Nähe eines Weinbaugebietes erwähnt. Er glaubte, dies anhand der Fundorte der Zwergbirke (Betula nana) und der Silberwurz (Dryas octopetala) nachweisen zu können. Beide Arten haben eine arkto-alpine Verbreitung.

Literatur:

BLÜTHGEN, J. & W. WEISCHET (1980): Allgemeine Klimageographie. 3. neu bearbeitete Auflage. Walter de Gruyter. Berlin, New York.

FREIBERG, H.M. (1985): Pflanzensoziologische Untersuchungen im Bereich der alpinen Baumgrenze im Funtenseegebiet unter Berücksichtigung des anthropogenen Einflusses (als pdf-file: 1,4 Mb).
In: Der Funtensee. Naturkundliches Porträt eines subalpinen Sees. Gemeinsame Veröffentlichung des österreichischen und deutschen MaB-6-Beitrags. Forschungsbericht 7, 37 – 50. Herausgegeben von der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

KONNERT, V. (2004): Standortkarte Nationalpark Berchtesgaden. Forschungsberichte 49. Herausgegeben von der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden.

SCHAUER, TH. (1985): Die Vegetation des Funtensees, Grünsees, Schwarzensees und Obersees im Nationalpark Berchtesgaden (als pdf-file, 0,9 Mb).
In: Der Funtensee. Naturkundliches Porträt eines subalpinen Sees.Gemeinsame Veröffentlichung des österreichischen und deutschen MaB-6-Beitrags Forschungsbericht 7, 51 - 65 Herausgegeben von der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden.

SCHULZE, E.-D., BECK, E. & K. MÜLLER – HOHENHEIM (2002): Pflanzenökologie. Heidelberg, Berlin. Spektrum Akad. Verlag.

Weitere Forschungsberichte des Nationalpark Berchtesgaden