Schutzmaßnahmen
für Großgreifvögel
Grenzüberschreitendes Netzwerk für den Schutz des Steinadlers:
Im Jahr 2025 konnten mit Hilfe von großzügigen Fördermitteln der Eva Mayr-Stihl Stiftung zwei neue Teilprojekte angestoßen werden, die im Zeitraum 2025 bis 2030 bearbeitet werden sollen.
Teilprojekt 1:
Minimierung der Kollisionsgefahr von Großgreifvögeln mit freihängenden Seilen und Kabeln.
Durch die Seltenheit beider Greifvogelarten bedeutet jeder Verlust eines adulten Tieres einen großen Einschnitt in die jeweils fragilen Populationen. Dennoch ist die Art durch verschiedene Bedrohungen gefährdet. Kollisionen mit Windkraftanlagen, Oberleitungen und Kabeln von Skiliften und Material-/Seilbahnen gehören dabei für beide Vogelarten zu den häufigsten durch menschliche Strukturen induzierten Todesursachen. Grund dafür sind niedrige Flüge über Grund bei der Suche nach Nahrung und dem gleichzeitig eingeschränkten Sichtfeld der Tiere.
Abbildung 1 zeigt die aktuelle Seilführung der Untersbergbahn bei Grödig im Untersuchungsgebiet und veranschaulicht eindrücklich, wie schlecht das freihängende Seil zu sehen ist. Nachweislich sind bereits mindestens zwei Geier an dieser Stelle mit dem Kabel kollidiert, die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Eine Minimierung der Gefahren für kollisionsgefährdete Vogelarten erlangt somit eine besondere Bedeutung im angewandten Naturschutz.
Teilprojekt 2:
Entwicklung einer App auf Grundlage einer Steinadler-Datenbank (Horst-Kataster).
In Deutschland gibt es aktuell - und seit Jahren relativ stabil - zwischen 42 und 45 Steinadler-Brutpaare. Alle davon liegen in den bayerischen Alpen. Allein 13 dieser Revierpaare - und damit rund ein Drittel des Gesamtbestandes in Deutschland - liegen im Verantwortungsbereich der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden (NPV). Seit fast 30 Jahren werden die sensiblen Horstbereiche unserer Steinadler von Seiten der NPV an das Landesamt für Umwelt (LfU) gemeldet, welches dann im Zeitraum 15.02. - 30.06. jeden Jahres sogenannte „Sperrzonen“ um die Kinderstuben der Adler einrichtet. So können die aktuell besetzten Horste effektiv geschützt und menschliche Störungen von den Horsten ferngehalten werden. Nicht zuletzt deshalb konnte der Bruterfolg unserer Steinadler in Bayern von 0,18 (1990) bis heute auf 0,3 flügge Jungadler pro Paar und Jahr nahezu verdoppelt werden. Dies entspricht vermutlich der natürlichen Obergrenze des Bruterfolgs am bayerischen Alpenrand, da hier viele Faktoren weniger günstig sind als in den Zentralalpen, wo ein Bruterfolg von 0,5 bis 0,6 erreicht wird. Für Bayern / Deutschland spricht man daher von einer potenziellen Gefährdung des Steinadlers bei langfristig ungünstiger werdenden Lebensbedingungen.
Die positive Entwicklung des Bruterfolgs in den letzten Jahren ist jedoch in Gefahr, da in den anderen Untersuchungsgebieten der mittleren und westlichen bayerischen Alpen Horste nur noch nach dem „Erfahrungsprinzip“ gesperrt werden und somit nicht länger gewährleistet ist, dass auch die tatsächlich genutzten Horste geschützt werden. Grund hierfür sind fehlende personelle und finanzielle Kapazitäten. Auch die Akzeptanz der lokalen Nutzergruppen leidet unter dieser Strategie erheblich: Es bedeutet nichts weniger, als dass die Nutzer nicht länger davon ausgehen können, dass sie die zum Teil erheblichen Umplanungen ihrer privaten (Freizeitsport) wie beruflichen Vorhaben (z. B. Hüttenversorgung mit Hubschrauber) wirklich zum Schutz von Gelege und Küken in Kauf nehmen - oder möglicherweise einem gar nicht besetzten Horst ausweichen.
Um diese Gefahr für alle deutschen / bayerischen Steinadler möglichst zu minimieren, kann der Aufbau einer Steinadler-Datenbank helfen, in der u. a. auch ein „Horst-Kataster“ integriert ist. Diese wird momentan und erstmalig für Bayern im Untersuchungsgebiet des Nationalparks bzw. der Biosphärenregion BGL erarbeitet. Die dort erzielten Ergebnisse könnten auf die anderen Regionen der bayerischen Alpen übertragen werden. So wäre es zukünftig den Teams vor Ort möglich, leicht und effektiv die beschriebenen Beobachtungspunkte aufzusuchen und so tatsächlich nur die aktuell besetzten Horste zu melden. Dies würde die Akzeptanz für Horst-Sperrungen auf Seiten der Nutzer wieder deutlich anheben.
Die Dringlichkeit des Handelns ist dadurch gegeben, dass bereits wenige Jahre mit geringerem Bruterfolg ausreichen, um den Fortbestand des Steinadlers in Bayern (erneut) in Gefahr zu bringen.