• © Nationalpark Berchtesgaden
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Wildtiere im Winter

Was du wissen solltest:

Tiere sind für den Winter eigentlich ganz gut gerüstet. Sie bekommen ein Winterfell, fressen sich eine Fettschicht an, sammeln Vorräte oder halten Winterschlaf.


Trotzdem müssen sie ihren Energieverbrauch stark einschränken, um durch diese futterarme, kalte Zeit zu kommen, was oft nur den gesunden und fitten Tieren gelingt. Dies ist der normale Kreislauf der Natur.

 

Kommen jedoch unnatürlich Störungen, wie zum Beispiel Wintersportler hinzu, kann der Winter auch für die gesunden Tiere zu einem Kampf ums Überleben werden.

 

Wenn viel Schnee liegt, finden die Tiere kaum noch etwas zu fressen. Auf der Suche nach Nahrung müssen sie ihr Versteck verlassen, was sie zu einer leichten Beute für Fressfeinde macht. Auch ein Tarnkleid schützt sie davor nicht. Außerdem sind mehr Wintersportler unterwegs, die das Überleben zusätzlich erschweren. Eine unschöne Korrelation.


Wildtiere wie Schneehase, Raufußhühner oder Gams- und Rotwild sind hierfür besonders anfällig. Störungen können für sie eine große Gefahr darstellen. Wenn sie von einem Skitouren- oder Schneeschuhgeher aufgeschreckt werden, brauchen sie oft das Vielfache an Energie. Geschieht dies öfter, finden sie eventuell nicht genug Futter um diesen Energieverbrauch zu kompensieren. Sie verhungern.

 

Hinzu kommt, dass sich der Wintersportler über die Störung meist nicht bewusst ist. Die extrem ausgeprägten Sinne der Wildtiere ermöglichen es, dass sie Gefahren schon wittern können, bevor der Wintersportler das Tier überhaupt bemerkt. So ist es oft bereits geflohen, bevor das Tier überhaupt zu sehen ist. Deshalb ist es besonders wichtig, die Lebensräume der Wildtiere genau zu kennen und sich dort bewusster zu bewegen.


Die Wildtiere sind äußerst gut an ihren Lebensraum oder ihr Überwinterungsgebiet angepasst und brauchen dort im Winter ihren Rückzugsort. Deshalb hat der DAV für Ski- und Schneeschuhtouren naturverträgliche Routenempfehlungen ausgearbeitet, die besonders sensible Lebensräume der Tiere umgehen. Diese sind im Gelände ausgewiesen und als Wald-Wild-Schongebiete gekennzeichnet.


Raufußhühner

Haselhuhn (c) Wilhelm Gailberger | piclease

Zu den Raufußhühnern zählen Hasel-, Birk-, Auer- und Schneehuhn. Ihre Gemeinsamkeit und damit ihre Namensgebung zeigt sich in den „befiederten“ Füßen, oft auch mit Hornplatten versehen, was das Einsinken in den Schnee verhindert. Sie können sich an extreme Verhältnisse anpassen.

 

Das Hasel- und Auerhuhn lebt hauptsächlich im Bergmischwald. Die lichten Wälder an der Baumgrenze und die Latschenkiefern und Zwergstrauchvegetation sind die idealen Lebensräume für das Birkhuhn.

 

Das Schneehuhn bewohnt vorzugsweise die alpinen Rasen und Felslandschaften, und ist bis auf 3000 m zu finden. Es beschränkt seine Aktivität im Winter auf ein Minimum um Energie zu sparen und hält sich dort auf, wo es auf engem Raum sowohl Nahrung als auch Schutz findet.

 

Um ihren Fressfeinden aus dem Weg zu gehen, sind die Raufußhühner zwar tagaktiv, aber nur in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung auf Nahrungssuche. Deswegen sollten vor allem zu diesen Zeiten ihre Lebensräume gemieden werden.

 

Birk- und Schneehühner verbringen ihre Ruhephasen in Schneehöhlen, in denen die Temperaturen keine hohen Minusgrade erreichen können – so trotzen sie Sturm und bitterer Kälte.

 

Schneehuhn mit Winterkleid (c) Peter Schild | piclease Schneehuhn mit Sommerkleid (c) Jörg Hemmer | piclease

 


 

Warum muss ich während meiner Ski- oder Schneeschuhtour auf die Raufußhühner Rücksicht nehmen?

Lebensraum Birkwild (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

Birk- und Schneehühner sind im Winter besonders störungsanfällig und gefährdet. Ihre Lebensräume fallen oft mit den idealen Skitourengebieten zusammen. Hinzu kommt, dass sie sich nur bedingt an Menschen gewöhnen können. Ein Skifahrer in der Abfahrt ist für die Tiere unberechenbar, eine Gewöhnung daher fast ausgeschlossen. Die Schneehühner überwintern meist in der Nähe von Rücken und Graten, vor allem an denen, die von Ost nach West verlaufen.

 

Lebensraum Birkwild (c) Zeichnung Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

Dort finden sie sowohl Nahrung als auch Schutz im lockeren Pulverschnee auf der Nordseite, wo sie in ihren Schneehöhlen ruhen. Aber auch auf Nord – Süd Graten ist eine Überwinterung für die Raufußhühner möglich. Während sie also in ihren Schneehöhlen Schutz suchen, können sie von Skifahrern manchmal regelrecht überfahren werden, ohne dass es bemerkt wird. Ähnlich geht es den Birkhühnern: Werden sie einmal aufgeschreckt, verharren sie Stunden auf einem Baum in der Kälte, bevor sie sich wieder in ihre wärmende Schneehöhle trauen. Dieser Energieverlust durch Stress und Kälte ist oft nicht mehr auszugleichen und kann zum Tod führen.

 


 

Wusstest du schon?

  • Allein die Anwesenheit von Menschen verursacht Stress und erhöht den Energieverbrauch bei den Raufußhühnern, selbst wenn sie nicht flüchten.
  • Raufußhühner haben sogar an den Nasenlöchern im Winter wärmende Federn.

 

Suchbild: Findest du das Schneehuhn?

Klicke zweimal auf das Bild für die Lösung

Suchbild (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

 

Schneehase

Der Schneehase kann sich dank seinen behaarten Pfoten leichtfüßig auch durch tiefen Schnee bewegen, er hat sozusagen immer seine Schneeschuhe dabei. Im Sommer hat er ein braunes Sommerfell, im Herbst wachsen ihm nach und nach weiße Haare. Spätestens im November hat er dann ein weißes Tarnkleid, das ihn zudem gut wärmt.


Warum muss ich bei meiner Skitour auf den Schneehasen Rücksicht nehmen?

Schneehase (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

Der Schneehase ist nachtaktiv. Den Tag verbringt er im Winter gut getarnt in einer Schneegrube. Für uns ist er somit also schlecht sichtbar und er wird leicht aufgeschreckt, was seinen Energiebedarf enorm erhöht. Er überwintert in lichten Laub- und Nadelwäldern, bevorzugt in den Höhenlagen zwischen 1400 und 2300 Metern.

 


 

Wusstest du schon?

  • Der Schneehase kann mit bis zu 80 km/h über den Schnee laufen
  • Schneehasen müssen, wie auch die anderen Wildtiere, mit extrem derber Kost zurechtkommen. Dazu brauchen sie die Hilfe besonderer Darmbakterien, die auch die letzten Nährstoffe aufschließen. Ihre Junge werden dafür sozusagen „geimpft“, indem sie den Kot der Eltern fressen und so auch gegen diverse Krankheiten besser geschützt sind. Aber auch die Alten fressen immer wieder ihre Kotkugeln, um noch den letzten Rest an Nahrung daraus zu gewinnen und ihre Darmflora zu pflegen. Aber Studien ergaben: sie machen das nicht mehr, wenn der Stresslevel durch häufige Störungen steigt – dann sinken ihre Überlebenschancen.

 

Hasenfährte (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

 

Rotwild und Gamswild

Kämpfende Hirsche (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

In der Urlandschaft ist das Rotwild (männlich: Hirsch, weiblich: Hirschkuh) im Winter aus den Hochlagen der Berge in die großen Auwälder im Tal gezogen. Heute muss das Rotwild in Gebieten in den niedrigen und mittleren Lagen der Gebirgswälder überwintern, weil die Zugänge zu den Auwäldern längst durch Verbauung blockiert wurden. Da geht es dem Gamswild etwas besser: Heutzutage können sie auch recht ungestört im Bergwald überwintern, oder in den Hochlagen an sonnenexponierten Hängen, an denen der Schnee schneller schmilzt. Aber dennoch ist der Winter sowohl für die Gams als auch für das Rotwild eine schwere, nahrungsarme Zeit.


Das Rot- und Gamswild hat daher besondere Anpassungen, um den Winter zu überstehen. Es reduziert seine Aktivität stark, um Energie zu sparen. Die Körpertemperatur wird gesenkt, Atmung und Herzschlag werden langsamer, von durchschnittlich 90 Schlägen pro Minute, schlägt das Herz bei der Gams im Winter nur noch 40 Mal pro Minute. Der Stoffwechsel schaltet quasi auf „Sparflamme“.

 

Warum muss ich auf meiner Ski- oder Schneeschuhtour auf das Rotwild und Gamswild Rücksicht nehmen?

Gämse (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

Sowohl das Rotwild als auch das Gamswild sind sehr scheu und flüchten sofort, sobald sie Gefahr wittern. Die anstrengende Flucht muss wie auch bei den anderen winteraktiven Tieren durch vermehrte Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden. Das Gamswild ist ein Fluchttier. Deshalb ist es erstaunlich, dass die Möglichkeit zur Aktivität durch die herabgesetzte Körpertemperatur erheblich eingeschränkt wird. Wiederholte Störungen führen zur ständigen Beunruhigung des Gamswilds. Und dies hat wiederum zur Folge, dass die Gams ihren „Energiesparmodus“ nicht mehr in vollem Umfang erhalten kann. Dieser Stress hat zudem Auswirkungen auf den Gesundheitszustand und den Fortpflanzungserfolg.

 

Wusstest du schon?

Die Körpertemperatur der Gams folgt einem tageszeitlichen und jahreszeitlichen Rhythmus. Ihren Tiefpunkt erreicht sie immer in den frühen Morgenstunden, im Januar ca. um 9 Uhr. Die Gams braucht also nochmal mehr Energie bei der Flucht, wenn sie bereits kurz nach Sonnenaufgang zum Beispiel durch einen Ski- oder Schneeschuhgeher gestört wird.

 

Diagramm Energieverbrauch Gams (c) Nationalpark Berchtesgaden (NPV BGD)

 

Weiterführende Literatur:

  • Baines David, Richardson Michael: An experimental assessment of the potential effects of human disturbance on Black Grouse Tetrao tetrix in the North Pennines, England. Ibis (2007), 149; 56–64
  • Rehnus Maik, Wehrle Martin, Palme Rupert: Mountain hares Lepus timidus and tourism: stress events and reactions. In: Journal of applied ecology (2014) 51; 6–12
  • Rolando Antonio, Caprio Enrico, Rinaldi Enrico, Ellena Ivan: The impact of high-altitude ski-runs on alpine grassland bird communities. In: Journal of Applied Ecology (2007) 44; 210-219
  • Thiel Dominik, Jenni-Eiermann Susanne, Jenni Lukas: Der Einfluss von Freizeitaktivitäten auf das Fluchtverhalten, die Raumnutzung und die Stressphysiologie des Auerhuhns Tetrao urogallus. In: Der Ornithologische Beobachter (2008) Band 105, Heft 1; 85-96
  • Coppes Joy, Ehrlacher Judith, Thiel Dominik, Suchant Rudi, Braunisch Veronika: Outdoor recreation causes effective habitat reduction in capercaillie Tetrao urogallus: a major threat for geographically restricted populations. In: Journal of Avian Biology (2017) 48; 1583-1594
  • Haymerle Agnes: Wie überlebt die Gämse den Winter? In: Der OÖ Jäger (2012) 3; 20-23

 

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