Nationalpark
Berchtesgaden

Karsthydrologische Untersuchungen am Hochkalter

im Nationalpark Berchtesgaden

Der Nationalpark Berchtesgaden und somit auch die Hochkaltergruppe liegt in den nördlichen Kalkalpen. Dieses Gebiet zeichnet sich durch kalkhaltiges Gestein, z.b. Dachsteinkalk und Ramsaudolomit, aus.

Kalkhaltiges Gestein weist eine hohe Löslichkeit auf, wenn es mit Niederschlagswasser in Verbindung kommt. Das Niederschlagswasser bildet mit dem in der Luft enthaltenen CO2 Kohlensäure und diese ist für die Lösung des Gesteins verantwortlich. Man spricht hier von einem Kalk-Kohlensäure Gleichgewicht.

Dies führt zu typischen morphologischen Erscheinungen, welche man auch als Karst bezeichnet.

KarstTypische Erscheinungsformen des Karstes sind sogenannte Karren und Dolinen wie sie bei Wanderungen durch den Nationalpark auffallen (siehe Bild rechts). Auch ausgeprägte unterirdische Höhlensystemen sind kennzeichnend für Karstgebiete. Diese Höhlensysteme haben zur Folge, dass die unterirdischen Abflusswege des einsickernden Niederschlages nicht bekannt sind. Um dies zu ergründen, finden seit 1987 karsthydrologische Untersuchungen, sogenannte Tracerversuche, im Nationalpark statt. Ziel ist es, die unterirdische Fließwege des Wassers zu erforschen und auch die Verweildauer des Wassers im Berg herauszufinden. Damit können langfristig Maßnahmen zur Sicherung des Trinkwassers für Unterkunftshäuser, Almen und umliegende Gemeinden getroffen werden.

Auch am Hochkalter wurde eine solche Untersuchung 2001 durchgeführt.


Tracerversuch am Hochkalter 2001

Hintergrund

Bei einem Tracerversuch gibt man eine gewisse Menge von gesundheitlich unbedenklicher floureszierender Farbe in Dolinen am Gipfel des jeweiligen Berges ein, d.h. man sammelt Wasser und gibt es zusammen mit der Farbe in ein Loch von dem man weiß, dass es in den Untergrund führt. Nach dieser Farbeingabe nimmt man an ausgewählten Quellen rund um den Berg in einem bestimmten Rhythmus Wasserproben. Kann man in den genommenen Wasserproben Farbe nachweisen, dann kann man sagen welchen Weg das Wasser im Berg genommen hat. Die verwendete Farbe ist floureszierend, d.h. im normalen Sonnenlicht nur in sehr hohen Konzentrationen sichtbar. Zum Nachweis muss sie in einem speziellen Meßapparat gegeben werden.


Rolf Apel vom Geologischen Landesamt schüttet Eosin in den Schutt unter dem BlaueisgletscherFarbeingabe

2001 wurden drei verschiedene Tracer in drei verschiedene Eingabestellen (Blaueisgletscher, Blaueishütte, Schärtenalm) am Hochkaltermassiv gegeben. Jeweils ein Tracer wurde dabei in eine Eingabestelle gegeben.

Das Bild links zeigt einen Mitarbeiter des Geologischen Landesamt bei der Eingabe des Tracers Eosin in der Nähe des Blaueisgletschers.


Probenahme

An insgesamt 24 Quellen wurden dann bis Anfang Januar 2002 regelmäßig Proben genommen, wobei der Probenahmerhythmus immer größer wurde.

Die Probenahme war nur durch die engagierte Mithilfe zahlreicher Praktikanten möglich.

Die Proben wurden am Geologischen Landesamt ausgewertet.

Das Bild rechts zeigt die Probestelle "Klauswandhöhle".


Ergebnisse

Bei der Auswertung wurde grundsätzlich zwischen Quellen unterschieden, welche über längere Zeit durchgehend Farbe im Quellwasser aufwiesen (das nennt man sichere Farbdurchgänge) und Quellen, wo nur in einigen wenigen Proben Farbe nachgewiesen werden konnte (einzelne Farbnachweise).

Insgesamt konnten zu 15 Quellen volle Farbdurchgänge und zu 14 Quellen einzelne Farbnachweise nachgewiesen werden. Hauptausbreitungsrichtung des Wassers ist dabei der Norden und Südwesten.

Ergebnisse

Mit der Modellierung der Farbkonzentrationen am Computer kann man sagen, dass diese 15 Verbindungen von Eingabestellen zu Quellen auf 33 Fließwegen basieren. Dies wiederum bedeuted, dass die Verkarstung weit fortgeschritten ist.

Bei der Betrachtung der einzelnen eingegebenen Tracer fällt auf, dass von der Eingabestelle Blaueisgletscher (Tracer Uranin) die meisten unterirdischen FLießwege zu den Quellen existieren. Die Eingabestelle Blaueishütte (Tracer Eosin) ist mit weniger Stellen hydrologisch verbunden. Von der Eingabestelle Schärtenalm (Sulforhodamin B) konnten nur wenige hydrologisch wegsame Verbindungen zu den Quellen festgestellt werden.


Literatur

KRALLER, G. (2008): Auswertung und Modellierung des Tracerversuchs am Hochkaltermassiv von 2001 zur Bestimmung von hydraulischen Parametern des Grundwassersystems. - Masterarbeit am Forschungsdepartment Ökologie und Ökosystemmanagement, Fachgebiet Limnologie, Technische Universität München.München.